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Label/AN: Drag City / dc375
Format: LP
Jim O'Rourke ist eine der bedeutendsten Musik-Figuren der letzten 20 Jahre: Solo-Werke unterschiedlichster Art, seine zwischenzeitliche Vollmitgliedschaft bei Sonic Youth und gitarristische wie tontechnische Tätigkeit an einer erstaunlichen Anzahl von Pop-Hauptwerken der letzten Zeit (von etlichen Wilco-Produktionen über Beth Ortons "Comfort For Strangers" bis Joanna Newsoms "Ys") zeugen davon. Die eigene Diskographie hat O'Rourke zuletzt ein wenig schleifen lassen, doch mit "The Visitor" knüpft der Sonderling an seine Meisterwerke "Eureka" (1999) und "Insignificance" (2001) an. Ein Instrumentalwerk, auf dem O'Rourke von Gitarre über Banjo, Klavier und Orgel bis zum Schlagzeug mal wieder alles selber eingespielt hat. Und auf dem bei scheinbar geringem Aufwand – von der Instrumentierung her ist das eigentlich Folk! – unglaublich viel passiert: Wie die einzelnen Stimmen miteinander kommunizieren, wie die Zwischenräume buchstäblich zu leuchten scheinen: So etwas begegnet einem ansonsten eher in einem Klassik-Kontext. Und vom Geist her sollte man "The Visitor" daher auch eher der Gattung "Streichquartett" zuordnen, auch wenn weder die Anzahl noch die Art der Instrumente dem entsprechen. Ein elitäres Album, könnte man sagen; aber O'Roukes Musik ist nicht nur intellektuell reizvoll; sie lebt auch, sie atmet. Das ist keine sperrige Avantgarde für eine Handvoll Freaks, sondern eine sehr warme Musik, die jeden anspricht, der von Musik mehr verlangt als Konfektionsware, komme er aus dem Klassik-, dem Jazz- oder dem Pop-Lager (so es die in dieser ausgeprägten Form denn heute immer noch gibt). Der Komponist selbst hat sich übrigens ganz gegen den Trend gegen eine MP3-Veröffentlichung dieses Albums gewehrt, im Bewußtsein, daß das Format die klanglichen Anforderungen solch vielschichtiger, differenzierter Musik nicht erfüllen kann. Auf dem ansonsten kargen Klappentext bittet er außerdem, man möge diese LP über Boxen hören – laut! Gar kein Widerspruch zu diesen fein gearbeiteten Stücken: Bei bloßer Zimmerlautstärke entgeht einem einfach zuviel… (2009)
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