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Label/AN: Audio Fidelity / AFZLP083
Format: LP 180g
Das ist vielleicht eine der schönsten Gesangsplatten, seit es überhaupt Popmusik im weitesten Sinne gibt – und doch erwies sie sich für die Karriere ihres Schöpfers als fatal. Denn 1973 herrschte an den Grenzen zwischen Rock'n'Roll und klassischem Entertainment noch strenger Schießbefehl. Kollegen wie Randy Newman und Van Dyke Parks wurden geduldet, weil die ihre Neigung ironisierten. Harry Nilsson wagte hier aber eine hemmungslose, offene Liebeserklärung und holte sich für sein Album mit Tin Pan Alley-Standards auch noch einen der Großmeister des Feindeslagers als Partner: Die himmlischen Orchesterbegleitungen stammen von keinem geringeren als Gordon Jenkins, der weiland reichlich Alben von Nat King Cole bis Sinatra veredelt hatte, und Nilsson bedankte sich auf rührende Art, indem er fast jeden der sonst anonymen beteiligten Orchestermusiker mit Photo auf der Innenseite des Klappcovers verewigte. Wie groß Nilssons Leistung ist, spürt man sofort, wenn die ersten Takte von "As Time Goes By" erklingen. Aber es ist nicht nur einfach sein hingebungsvoller Gesang (übrigens ohne jeden Zweifel in einer Liga mit den allergrößten Meistern) – es ist auch sein Talent, diese Musik so zu interpretieren, als könnte es gar keine andere geben. Ein Effekt, der sich auch Jahrzehnte nach der Aufnahme noch einstellt: Nilsson flüchtet nicht in die Vergangenheit, er macht sie zur Gegenwart. Für die Dauer einer Schallplatte wenigstens. Hören wollte das damals aus genannten Gründen kaum jemand, heute sind wir schlauer. Das Album blieb Nilssons größte Arbeit als Sänger – wenig später ruinierte er seine Stimme nachhaltig und für immer auf den Sauftouren mit Kumpel John Lennon. – Auf der Audio Fidelity-Reissue klingen sowohl jene Stimme als auch Jenkins' Arrangement überirdischer denn je. Die lapprigen Originalpressungen kann man da getrost vergessen. (1973/2010)
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