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Label/AN: ECM / ECM1438/39HQ
Format: 2 LP 180g
Für das ECM-Label durchaus ungewöhnlich, handelt es sich hier nicht um eigene Produktionen, sondern um Übernahmen: Die Alben „Fusion“ und „Thesis“ erschienen im Jahre 1961 im Abstand weniger Monate auf Verve. Auf den zweiten Blick aber war die 1992er Wiederveröffentlichung auf ECM nicht nur naheliegend, sondern beinahe zwingend: Giuffres neues Trio mit Pianist Paul Bley und Steve Swallow am Bass legte hier die Grundlagen für den Jazz-Stil, der das Münchener Label prägen sollte – ein Jahrzehnt, bevor eine neue Generation von Musikern wie Chick Corea oder Keith Jarrett darauf zurückgriff. Was auf diesen beiden epochemachenden Alben geschieht, ist ein ähnlich radikaler Bruch mit der Vergangenheit wie auf Ornette Colemans zeitgleichen Arbeiten. Jedoch nicht als provokativer Aufschrei, sondern auf eine zurückhaltende, durch und durch lyrische Art. Die Kommunikation der Musiker untereinander ist bei solcher Formfreiheit erstaunlich; die gespannte Aufmerksamkeit jedes einzelnen überträgt sich umgehend auf den Hörer. Insbesondere das „Thesis“-Album, zweite LP dieses Sets, klingt auch nach einam halben Jahrhundert noch unvermindert modern, ja nach wie vor seiner Zeit voraus. Die Beschäftigung damit ist, auch wenn es eventuell mehrerer Anläufe bedarf, unbedingt lohnend: Schöner war Avantgarde nie! – Die 180g-Ausgabe ist klanglich übrigens ein hörbarer Fortschritt; Giuffres Klarinette klingt ausgesprochen gänsehäutig. (1992/2010)
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