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Richard Wagner

Götterdämmerung

Weitere Interpreten:
Wolfgang Windgassen, Astrid Varnay, Hans Hotter, Gustav Neidlinger, Josef Greindl, Paul Kuen u.a. - Orchester der Bayreuther Festspiele - Dirigent: Joseph Keilberth

Label/AN:
Testament / SBTLP61393

Format: 6 LP 180g

195,00 €

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Rezension:

Es hat, fast auf den Tag genau, 51 Jahre gedauert, bis dieser sagenumwobene Komplett-Ring endlich veröffentlicht werden durfte (dank der Bemühungen des Testament-Labels sogar in limitierter Auflage auf Vinyl). Erstaunlich, wenn man bedenkt, welch großer technischer Aufwand anno 1955 betrieben wurde, um die legendäre, bis heute wohl bedeutendste Nachkriegs-Inszenierung des Wagner-Hauptwerkes überhaupt auf Tonband festzuhalten. Grund für die damalige Nichtveröffentlichung war jedoch nicht nur die übliche Streiterei der ständig in Bayreuth konkurrierenden Labels Decca und EMI, die beide Exklusivverträge mit beteiligten Sängern hatten, sondern auch die grundsätzliche Abneigung des Decca-Produzenten John Culshaw gegen Liveaufnahmen. Zudem jener bereits an seinem Mammutprojekt plante: Der kompletten Studioaufnahme unter Aufbietung aller damals machbaren technischen Möglichkeiten; der von 1959-’65 produzierte daraus resultierende Ring unter Georg Solti ist ja auch immerhin bis heute die Referenzaufnahme des Zyklus’ geblieben. Dennoch: Was das Decca-Team aus Kenneth Wilkinson, Roy Wallace und Gordon Parry damals erreichte, war ein tonmeisterliches Wunder. In Bayreuth aufzunehmen, ist auch heute noch problematisch; 1955, mit der gerade erst fertig entwickelten Stereo-Technologie, unter Live-Bedingungen auf ein solches Ergebnis zu kommen, ist einigermaßen unglaublich. Doch nach fünf Wochen des Experimentierens stand die optimale Position für die sechs Neumann M49-Mikrophone – drei im Orchestergraben, drei von der Decke hängend für die Bühne – fest. Und ein halbes Jahrhundert später findet sich der verblüffte Hörer im Festspielhaus auf dem grünen Hügel wieder und wird später Zeuge des Jahrhundert-Rings. Besetzt mit den besten Wagner-Stimmen der damaligen Welt auf dem Gipfel ihrer Kräfte, das handverlesene Festspielorchester unter der Leitung eines der besten Wagner-Dirigenten überhaupt. Joseph Keilberth, geboren als Sohn von Münchener Eltern in Karlsruhe und daselbst aufgewachsen und ausgebildet, verdankte ein gut Teil seiner Kunst dem in der Fächerstadt (beziehungsweise der dort ansässigen Badischen Staatskapelle) vorherrschenden musikalischen Geist der Wagner-Koryphäe Felix Mottl, dessen Ruf nach Baden Keilberths Vater, ein hervorragender Cellist, einst gefolgt war. Bereits 1950 hatte Keilberth ein Engagement für die „Meistersinger“ in Bayreuth abgelehnt, aus Respekt vor dem zwangspausierenden Wilhelm Furtwängler. Keilberth, der stets Rechtschaffenheit vor Karrieredenken stellte, war nicht davon ausgegangen, ein zweites Mal gefragt zu werden – doch folgte zwei Jahre später die Aufforderung der Komponistenenkel Wofgang und Wieland, den ersten Ring-Zyklus des ‘Neuen Bayreuth’ zu dirigieren. Diese wegweisende Inszenierung Wieland Wagners – die erste, die die peniblen Anweisungen des Großvaters für Bühnenbild und Kostüme vollständig ignorierte, und vielleicht die einzige, bei der das vom Komponisten konzipierte Gesamtkunstwerk dabei nicht zu Schaden kam – bestach durch ein radikal karges Bühnenbild, bei dem weit mehr mit der Beleuchtung erreicht wurde als mit Gegenständen; umso mehr Raum wurde der darstellerischen Kraft der beteiligten Sänger gegeben. „Wozu brauche ich einen Baum auf der Bühne, wenn ich Astrid Varnay habe“ – dieser Kommentar Wieland Wagners ging in die Bayreuther Geschichte ein. Hier Nachzuhören aber ist nicht nur eine der besten Brünnhilde-Besetzungen aller Zeiten, sondern mit Hans Hotter (Wotan), Gustav Neidlinger (Alberich), Josef Greindl (Fafner) und selbstverständlich Wolfgang Windgassen als Siegfried gleich zuhauf Stimmen, die geradezu zum Synonym für ihre jeweilige Rolle geworden sind. Daß wir nun doch noch in den Genuß einer tatsächlich highendigen Wiedergabe dieses Dokumentes kommen, ist ein kaum zu hoch einzuschätzendes Glück… Und die Bühnenatmosphäre, die diese Aufnahme transportiert, ist tatsächlich frappierend. [Anmerkung: Das Rauschen während der Nibelheim-Szene im „Rheingold“ ist kein technisches Manko! Es handelt sich um die Nebengeräusche des von Oscar Sala entwickelten ‘Mixtur-Trautoniums’, eines elektronischen Musikinstrumentes, welches im Bayreuth der 50er Jahre für diverse Effekte, etwa die Ambosse in Nibelheim, eingesetzt wurde!] – Die vier Boxen enthalten selbstverständlich ausführliche Booklets, nicht nur mit dem kompletten Libretto, sondern auch mit reichlich Künstlerbiographien (auch auf deutsch!), Informationen und Essays zu Inszenierung und Aufnahme und nicht zuletzt etlichen Photographien von Wieland Wagners genialischer Inszenierung! (2006)

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