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Label/AN: Audite / 87101
Format: 14 LP 180g
Die Veröffentlichung der 13 CD-Box RIAS-Aufnahmen der Berliner Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler im Jahre 2009 schlug Wellen – so hohe, daß nun tatsächlich eine Vinylausgabe wenigstens eines Teils dieser Aufnahmen folgt (wir äußern an dieser Stelle jetzt schon die Hoffnung auf eine zweite Box). Der Schatz, den das Audite-Label in den Archiven des Deutschlandradios (Rechtsnachfolger des RIAS) gehoben hat, ist kaum zu beziffern: Zum einen aufgrund des sofort spürbaren Mehrs an Intensität, die diese Liveaufnahmen gegenüber den bekannten Studio-Dokumenten dieses größten deutschen Dirigenten besitzen (das legendäre Furtwängler-Vibrieren), was jedwede Diskussion über hörbares Husten und Stühlerücken sofort im Keim ersticken sollte; zum anderen aber auch aufgrund der stupenden Klangqualität: Natürlich ist das Alter der Aufnahmen hörbar, doch die Direktheit, die Präsenz der Musik erstaunt immer wieder aufs Neue. Die eine oder andere Aufnahme mag mit einem privaten Rundfunkmitschnitt als Quelle bereits veröffentlicht sein, vergleichbar mit vorliegender Ausgabe ist das allerdings kaum: Dies sind echte „1st Master Releases“, geschnitten vom analogen Originalband, das damals mit bis zu 76 cm pro Sekunde durch die Maschine raste und auch anno 1947 bereits Aufnahmen von beeindruckender Qualität ermöglichte. – Enthält die CD-Ausgabe auch Repertoire des Barock und der zeitgenössischen Musik, so wurde für diese (erste?) Vinylbox die klassische und romantische Symphonik (Beethoven, Brahms, Bruckner und Wagner) ausgewählt; diese allerdings komplett – d.h. mit Dopplungen: Die dritte, fünfte und sechste Symphonie Beethovens sowie die dritte Symphonie Johannes Brahms‘ sind in jeweils zwei Aufzeichnungen vorhanden. Gerade dies aber macht den besonderen Reiz und Wert dieser Sammlung aus – kann man hieran doch nachvollziehen, wie der Dirigent zwar eine klare grundsätzliche Auffassung eines bestimmten Werkes vertrat, doch in der Lage war, aufgrund von Details und Nuancen-Verschiebungen seine Interpretation je nach Kontext des jeweiligen Konzertprogramms anzupassen. Insgesamt vermittelt diese mit Gold nicht aufzuwiegende Box einen tiefen Eindruck von einer sehr individuellen Kunst der Interpretation von Musik: Niemand traut sich heute noch derart extreme Tempi (etwa der fast zum Stillstand kommende Trauermarsch in der „Eroica“) oder Dynamik. Man mag nun argumentieren, daß sich ein Dirigent wie Wilhelm Furtwängler nach heutiger Ansicht unzulässig weit von der Partitur entfernte – doch läßt sich schlecht leugnen, daß die in diesen Aufnahmen nicht nur zu hörende, sondern buchstäblich zu empfindende Spannung heute auch nicht mehr vorkommt. Noch einmal: Eine unschätzbare Veröffentlichung. (2011)
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