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Weitere Interpreten:Radio-Symphonie-Orchester Berlin - Dirigent: Ferenc Fricsay
Label/AN: Speakers Corner / Deutsche Gramm / 138135SLPM
Format: LP 180g
Die Existenz dieser Schallplatte ist eines der größten Verdienste des Kieler Reissue-Labels: Nach dieser Einspielung nämlich wird man in alten Katalogen vergeblich suchen. Es gab sie nie, und die Edition in der “Conductors”-Box war tatsächlich die Erstausgabe. Die Bänder der Aufnahme vom September 1959 lagerten Jahrzehnte unveröffentlicht im Archiv der Deutschen Grammophon. Der Perfektionist Ferenc Fricsay war mit einzelnen Passagen unzufrieden (es ist gar nicht einfach, die zu finden…!) und verlangte Nachaufnahmen – die sich aufgrund des stets vollen Terminkalenders des Dirigenten immer wieder verzögerten, bis es schließlich durch seinen frühen Tod im Jahre 1963 endgültig zu spät war. Die Aufnahme wurde zur Legende unter Fricsay-Anhängern; und in der Tat: So hoch die Erwartungen bei der Erstveröffentlichung nach vier Jahrzehnten auch gewesen sein mögen; enttäuscht sah sich gewiß niemand. Eine dieser Jahrhundert-Einspielungen ist dies, in der die Spannung nicht erst aufgebaut wird, sondern mit dem ersten Ton einfach da ist. Diese Einleitung des Kopfsatzes hat man so oft schon gehört, in ausgezeichneten Interpretationen von Ormandy bis Mrawinsky. Doch hier stellt sich plötzlich eine ganz andere Art von Ergriffenheit ein, scheint die Tragik des Werkes in jedem einzelnen Ton komprimiert zu sein. Der Ungar brauchte für solche Intensität – die sich hier bis zum letzten Ton des Werkes durchzieht und den Hörer zunächst einmal sprachlos zurückläßt – weder extreme Tempi noch außergewöhnliche dynamische Effekte; das Monumentale war ihm fremd (was sich auch in seiner Vorliebe für die Komponisten Mozart und Bartok widerspiegelte). Wahrscheinlich ist genau deswegen diese Tschaikowsky-Interpretation so bewegend: Wo sonst die gewaltigen Emotionen seiner Symphonik ihren genauen Widerhall im Orchester finden, legt Fricsay die musikalische Essenz des Werkes dar. Und die vielzitierte “russische Seele” wird zu etwas ganz anderem. (rec. 1959/2007)
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