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Weitere Interpreten:Janos Starker, Violoncello
Label/AN: Mercury / SR39016
Format: 3 LP 180g, Box
Über Jahrhunderte wurden Bachs Cellosuiten als reine Übungswerke mißverstanden, durch die man sich als Cellist durchzuquälen hatte. Pablo Casals war bekanntlich derjenige, der das Mammutwerk durch seine legendäre Gesamteinspielung in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts rehabilitierte und seinen ungeheuren musikalischen Reichtum freilegte. Seither sind ihm etliche der größten Cellisten gefolgt. Unter diesen genießt die Einspielung des Ungarn Janos Starker einen besonderen Ruf: Von den Einspielungen der Analog-Ära ist sie diejenige, an der sich alle anderen messen lassen müssen – abgesehen natürlich von Casals’ besagter Pioniertat, die unerreicht bleibt, aber aufgrund ihrer Entstehungszeit nun einmal klanglich gewisse Einschränkungen mit sich bringt. Es ist fraglos die Sternstunde dieses Interpreten, der hier buchstäblich und hörbar in die Musik des Thomaskantors eintauchte. Das springt umgehend und mit jeder Note auf den Hörer über: Wie diese Werke über so lange Zeit in solchem Maße fehlinterpretiert werden konnten, wird vollkommen unverständlich – gehören sie doch so offensichtlich zum Ergreifendsten, was jener Vollender des barocken Stils hinterlassen hat. Wenn man nach einem im Wortsinne ergreifendem Hörerlebnis wieder in der Lage ist, rationale Gedanken zu fassen, darf man darüber sinnieren, wie es Bach möglich war, für ein einzelnes Melodieinstrument derart polyphone Musik zu schaffen… Selbstverständlich hat der nach circa vier Jahrzehnten unverminderte Referenzstatus dieser Einspielung auch etwas mit der technischen Seite der Aufnahme zu tun: Viel besser ist ein Solo-Cello seither nicht auf einem Tonträger festgehalten worden. Der voluminöse, dynamisch nicht unproblematische Klang des Instruments ist hier durchaus berauschend. Darüberhinaus ist es nicht nur Starkers Cello, das hier in überragender Detailtreue abgebildet wird, sondern auch der Musiker selbst. Man hört, wenn man das will, die Finger- und Bogentechnik – vor allem aber hört man ihn atmen, im Einklang mit Bachs Phrasierung. Das trägt in nicht geringem Maße bei zu dem Sog, dem man hier – der Begriff sei erlaubt – förmlich ausgeliefert ist. Abschließend sei noch vermerkt (wiewohl es in einem solchen Falle keine Rolle spielen sollte), daß diese Speakers Corner-Wiederauflage natürlich auch unter dem Aspekt des Schallplattensammlers höchstes Lob verdient. Wiederauflagen hat es nämlich in den vergangenen Jahrzehnten kaum gegeben, weswegen die Originalausgabe – trotz ihres für dieses Label recht späten Geburtsjahres 1966 – zu den ganz ausgesprochen teuren Mercury-Alben gehört… (1966/2004)
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